Quaoar ärgert Pluto

Seit einigen Wochen ärgert ein neu entdeckter Himmelskörper in unserer Milchstraße den letzten Planeten unseres Sonnensystems. 

Der 2274 km im Durchmesser als eher kleiner Himmelskörper einzustufende blaue Staubball Pluto wurde erst vor über 70 Jahren entdeckt. Damals wurde er trotz seiner geringen Masse und Größe noch als Planet eingestuft, obwohl Pluto bereits sehr dicht an dem Kuiper-Gürtel positioniert ist. 

Seit Entdeckung von „Quaoar“ (links im Bild) im Juni 2002 wird auf ein mal der Planetenstatus von Pluto in Frage gestellt. Quaoar ist  mit seinen 1250 km Durchmesser immerhin halb so groß wie Pluto. Abgesehen davon, dass Quaoar der größte Himmelskörper ist, der in den letzten 70 Jahren gefunden wurde, ist seine Entdeckung eigentlich nicht so spektakulär. Quaoar ist ein größeres Objekt aus dem Kuiper-Gürtel, und derartige

Objekte, wenn auch nicht unbedingt in dieser Größe, wurden in den letzten Jahrzehnten andauernd entdeckt. Mittlerweile sind es schon über 500 dieser Objekte. 

Viele Astronomische Institute sind sich nun einig: Pluto würde nach heutiger Planetenklassifikation niemals den Status Planet erhalten. Vielmehr ist auch Pluto ein Abkömmling des Kuiper-Gürtels. Hierfür spricht zum einen seine geringe Größe. Außerdem benötigt Pluto 248 Jahre, um die Sonne zu umkreisen. Jedes Objekt aus dem bzw. in dem Kuiper-Gürtel benötigt eine ähnlich lange Zeit, um die Sonne zu umkreisen (Quaoar benötigt 288 Jahre).  

Was spricht noch gegen Pluto als Planet? Ein ganz entscheidender Fakt: Pluto ist KEIN Gasplanet. Unser Sonnensystem ist so aufgebaut, dass die Planeten mit Eisenkern (Merkur, Venus, Erde und Mars) der Sonne am nächsten sind. Danach folgen nur noch Gasriesen (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun), die selbst aus Helium und Wasserstoff bestehen und den größten Teil ihrer Wärme selbst produzieren. Sie sind sozusagen kleine misslungene Sonnen, die es nie geschafft haben aufgrund viel zu geringer Dichte und Masse. Jedoch strahlen sie so viel Wärme ab (übrigens mehr als sie von der Sonne zurück bekommen), dass sie ihre vielen Trabanten „versorgen können“, wobei diese wiederum Eisenkerne und sogar in vielen Fällen Eis besitzen. 

Pluto, der letzte Planet unseres Sonnensystems, müsste demnach eigentlich ein gewaltiger Gasriese sein, er ist jedoch im Vergleich zu den Gasriesen ein kleiner Zwerg, der aus nichts weiter als Gesteinsbrocken ohne jeglicher Atmosphäre besteht.  

Schließlich besticht Pluto durch beachtliche Schlangenfahrt. Würde Pluto auf der Autobahn fahren und eine Polizeistreife eine Alkoholkontrolle bei ihm machen, er würde es wohl auf mindestens 4 %o bringen, denn Pluto eiert im Sonnensystem ganz schön rum. Seine Umlaufbahn ist alles andere als gleichmäßig. Er verhält sich eher wie ein Comet. Auf einer Elliptischen Umlaufbahn umkreist er die Sonne, wobei er sogar die Umlaufbahn von Neptun erreicht (er wechselt sich also mit Neptun ab, der letzte im Sonnensystem zu sein), wenn er der Sonne am nächsten ist. Dann hat er auch die höchste Geschwindigkeit, bis er wieder weit zurück ins All „geschleudert“ wird. 

Abgesehen davon: Pluto einen Planeten zu nennen, obwohl es 7 Monde in unserem Sonnensystem gibt, die größer sind, ist ja eigentlich ganz schön frech, oder?  

So hatte sich Pluto jahrelang den Planetenstatus „erschlichen“, wo er doch eigentlich ein Kuiperoid ist. Noch lässt man es ihm durchgehen, doch mit dem Hochleistungsteleskop Hubble ist es gut möglich, dass sehr bald ein weiteres, noch größeres Objekt aus dem Kuiper-Gürtel entdeckt wird, das sogar die Ausmaße vom Mars haben kann. Und dann sind die Tage für Pluto gezählt. 

Das einzige, was Pluto noch gerade so den Planetenstatus retten könnte, ist sein Mond Charon. Außer Pluto kann kein anderes bisher entdeckte Objekt aus dem Kuiper-Gürtel einen Mond aufweisen. Allerdings passt die Bezeichnung Mond für Charon auch nicht wirklich, denn Charon ist mehr als halb so groß wie Pluto, man könnte also eher von einem Kuiperoidenpaar reden. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft die Klassifikation in Hinsicht auf die Einstufung der Planeten korrigiert werden muß. Unter den führenden Astronomen hat Pluto schon jetzt seinen Status als Planet verloren.  

Quaoar hieß übrigens bis vor Kurzem noch 2002 LM60. Er wurde nach dem Schöpfer-Gott der kalifornischen Tongva-Indianer benannt. Warum? Fragt mich bitte nicht, ich habe die Namensgebung von Himmelskörpern noch nie nachvollziehen können.

von Blizzard