"Hexenjagd" auf dem Filmset - Eine Space-Folge entsteht

Regisseur Felix Alcala läßt seinen Blick nervös über das Hangar-Set gleiten. Um ihn herum bereitet das Drehteam gerade die nächste Kameraeinstellung vor. Einer der Requisiteure drückt Morgan Weisser eine mit Platzpatronen geladene Pistole in die Hand. Dann wird es still. Morgan geht auf seine Ausgangsposition auf der anderen Seite des Hangarschotts und wartet. Der Regisseur sieht sich noch einmal um. Die Kameraposition stimmt, die Beleuchtung auch...alles ist bereit. Dann schmettert er kurze Kommandos: "Camera...Sound...Flap...aaaaaaand Action!" -Ganz unvermittelt senkt sich das Hangarschott. Morgan Weisser rennt heran, wirft sich zu Boden und zielt mit der Pistole unter dem sich schließenden Schott hindurch. Peng! ...Nach ein paar Sekunden ist bereits alles vorbei...Doch bis die Episode "Hexenjagd" fertig sein wird, ist es noch ein sehr weiter Weg. Mindestens ebenso weit wie von dem ersten Drehbuchsatz auf Glen Morgans Textcomputer bis zu dem beschriebenen Knalleffekt auf dem Hargar-Set.

Nachdem eine Geschichte zu Papier gebracht worden ist, geht die Arbeit in einer Serienproduktion erst richtig los. Auf Grundlage einer noch nicht ganz endgültigen Drehbuchfassung setzen sich die ersten Teams der Produktion in Bewegung. Kulissen werden aus dem Boden gestampft, Komparsen bestellt, Requisiten gebastelt (z.B. Charputs Parteiabzeichen), die Zauberer der Effekt-Schmiede Area 51 werfen ihre Computer an...und die Geldgeber von Fox bekommen in schöner Regelmäßigkeit Nervenzusammenbrüche. "Was das alles kostet!"

In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Teams gleichen die Autoren ihre Geschichte dann den Gegebenheiten an. Vielleicht verlegen sie eine Szene von einem Raum in einen anderen, weil der Dreh so einfacher zu organisieren ist, oder es werden ein paar Effekt-Sequenzen gestrichen, um Geld zu sparen.

Im Anschluß setzen sich die Autoren und der Regisseur zusammen, um in Gemeinschaftsarbeit aus dem Drehbuch ein Dreh-Skript anzufertigen. In diesem legen sie für jede Szene Kamerawinkel, Kamerafahrten und Beleuchtung fest. Dabei kritzeln sich manche Regisseure nur etwas in ihr Drehbuch, während sich andere für ganze Szenen "Storyboards" zeichnen lassen, in denen Einstellung für Einstellung skizziert wird, bis von der Szene eine Art Comic entstanden ist, an dem er sich beim Dreh orientieren kann.

Während dessen macht sich die Skript-Abteilung an die Organisation der Dreharbeiten. Sie legt fest, wann wo gefilmt werden soll. So ein Drehplan sieht dann meistens vor, daß das Produktionsteam von Kulisse zu Kulisse zieht und jeweils sämtliche Szenen, die an einem Ort spielen, hintereinander dreht; gleichgültig, in welcher Reihenfolge sie später in der Folge auftauchen werden.

Nach einem abschließenden Vorbereitungstreffen der gesamten Mannschaft, in der festgestellt wird, ob auch jeder weiß, was er zu tun hat, geht die Produktion der Episode in die heiße Phase. Nun heißt es "Action", die Kamera surrt, die Darsteller spielen, und der Regisseur wird zum kettenrauchenden Nervenbündel, denn nach höchstens einer Woche muß die Episode im Kasten sein. 16-Stunden-Tage sind für die Beteiligten keine Seltenheit.

Weil das für einen hartgesottenen Regisseur aber noch längst nicht genug ist, sieht er sich gemeinsam mit den Produzenten am Ende jedes Drehtages eine Rohentwicklung dessen an, was man am Tag aufgenommen hat. Ab und zu kommt es vor, daß sie danach mit der einen oder anderen Szene nicht mehr zufrieden sind und sich entscheiden, sie am nächsten Tag noch einmal zu drehen. -Wohlgemerkt zusätzlich zu dem, was ohnehin auf dem Plan steht.

Nachdem die Episode gefilmt worden ist, landet das Material beim Editor im Schneideraum. Jener erstellt von der Folge eine Grundfassung; schneidet die einzelnen Szenen und ordnet die Szenen in der richtigen Reihenfolge. Erst bei diesem Prozeß entsteht aus rollenweise belichtetem Filmmaterial wieder die Geschichte, die der Drehbuchautor ersonnen hat.

Leider bekommt der Editor ab und zu Filmmaterial auf den Tisch, das nicht so recht zusammenpassen will. Anschlußfehler, weil bei den Dreharbeiten irgend jemand nicht aufgepaßt hat. -Jemand trägt in einer Einstellung Handschuhe...und in der nächsten (die vielleicht einen Tag später entstanden ist) auf einmal keine mehr...und der Editor muß sie zähneknirschend trotzdem zusammenfügen, weil es keine passenden Bilder mit Handschuhen gibt.

Über den Rohschnitt findet der Editor auch heraus, ob die Folge die richtige Länge hat. Bei "Feldpost" stellte sich zum Beispiel heraus, daß sie zu lang war. Eine vollständig Szene mit Lanai Chapman, in der sie ihrem Freund einen vordatierten Brief schreibt und mit ihm "zuerst" Schluß macht, mußte hinausgeworfen werden. "Der unsichtbare Feind" wiederum erwies sich als zu kurz, so daß man noch mal für eine Szene ins "Quartier" der Wild Cards zurückkehrte.

Nach dem Editor setzt sich der Regisseur der Folge in den Schneideraum und feilt mehrere Tage am Feinschnitt. Seine Fassung wird schließlich noch mal von Glen Morgan und James Wong überarbeitet, die das Material mit einem Zeitcode versehen. Dieser Code ist für die Arbeit der Komponistin Shirley Walker ein unverzichtbares Hilfsmittel. Er legt fest, wann Musik einsetzen und wie lang sie dauern soll. Die Länge einzelner Cues - Musikstücke - reicht dabei von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten. Zusätzliche Anweisungen sagen der Musikerin, wann welche Stimmung durch die Musik vermittelt werden soll und wann die Stimmung der Szene wechselt.

Komponistin, Soundabteilung und Area 51 haben nun etwa drei Wochen Zeit, um fertig zu werden. -Zum Vergleich: Bei Kinofilmen werden manchmal Monate für die Special Effects veranschlagt...Und die Musik muß in diesen drei Wochen nicht nur komponiert, sondern auch arrangiert und mit dem Orchester aufgenommen werden.

Der letzte Arbeitsschritt besteht schließlich darin, das vorhandene Material - Film, Computertricks, Geräusche und Musik - zusammenzufügen und abzumischen.

Etwa sechs Wochen nachdem die Drehbuchschreiber ihre Geschichte zum ersten mal vollständig ausgedruckt haben, ist die Serie dann um eine Episode reicher.

Zeit zum Durchatmen gibt es aber nicht. Die Arbeiten an den nächsten Episoden laufen bereits auf vollen Touren. -Vermutlich surrt in der "Planet der Woche"-Kulisse gerade die Kamera, die Darsteller spielen, und der Regisseur wird zum kettenrauchenden Nervenbündel, denn nach höchstens einer Woche muß die Episode im Kasten sein.

Eric Z.

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