Gefahren für die Menschheit -
Ein Blick in die Science Fiction-Geschichte (Teil 3)

Die 70er-Jahre -
Insekten, Viren und geschlossene Gesellschaften

Ein Begriff, auf den man im Zusammenhang mit den Science Fiction-Produktionen der 70er Jahre stößt, heißt "schwarze Utopien". (Der Science Fiction Film. München 1983. S.191). Der Erfolg von 2001: Odyssee im Weltraum führte dazu, "dass die Filmemacher sich von den Themen der literarischen Science-fiction mehr inspirieren ließen, als das je zuvor der Fall gewesen war. Das Genre erreichte eine nie gekannte thematische Variationsbreite und ambitionierte Versuche hatten eine Chance, die Probleme des Genres, die Technologie, die Katastrophen (...) anders als nach herkömmlichen Rezepten zu behandeln." (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.231). In "Kino des Utopischen" von Georg Seeßlen ist von den "sieben Plagen der Science-fiction" die Rede, von denen hier ein paar erläutert werden sollen.

Die Plage Nummer eins waren Maschinen. So übernimmt in dem Film Colossus von 1970 der gleichnamige Computer die Kontrolle über die amerikanischen Nuklearwaffen. "Er löst seine Aufgabe, Amerika vor einem nuklearen Schlag der Sowjetunion zu beschützen, auf eine unvorhergesehene Weise: Er verbindet sich mit seinem russischen Gegenmodell Guardian, (...) die beiden Computer potenzieren durch Datenaustausch ihre Fähigkeiten und beschließen, die Weltherrschaft zu übernehmen." (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.231/232). In Michael Crichtons Westworld wird mit der Vergnügungssucht abgerechnet, indem "(e)in Defekt in der Elektronik" dazu führt, dass menschenähnliche Roboter, die in einem futuristischen Vergnügungsmark "zum Spaß" erschossen werden können, "grausame Rache (...) an ihren menschlichen Peinigern" nehmen. (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.232).

Plage Nummer zwei waren nach zwanzig Jahren Pause mal wieder Monster; jedoch keine Riesentiere. Die Tiermonster der 70er Jahre behielten ihre normale Größe, "waren aber aufgrund ihrer Aggressivität, Intelligenz und vor allem ihrer Anzahl nicht minder gefährlich". (Der Science Fiction Film: Ursprünge, Geschichte, Technik. Alfeld/Leine 1996. S.92). In Kingdom of the Spiders schlagen mal wieder Spinnen zu, in Piranhas "ist es ein Schwarm von Piranhas, der vom Militär zum Einsatz in Vietnam (...) gezüchtet wurde", der in amerikanische Gewässer gelangt und Badende auffrisst. (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.235). Nach Formikula in den 50er Jahren kehren in Phase IV die Ameisen zurück. Hier werden die Tiere durch kosmischen Einfluss aggressiver und intelligenter und nehmen den Kampf gegen die Menschheit auf. Am Ende wird klar, dass "nun die Wissenschaftler zum Studienobjekt der Ameisen geworden sind und dass die Lebensform der Ameisen die stärkere ist". (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.245/246).

Plage Nummer drei waren Viren-Katastrophen. In dem Film Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All schleppt ein abgestürzter Satellit Mikroorganismen ein, die die Bevölkerung eines kleinen Dorfes auslöschen und schließlich sogar die ganze Welt bedrohen. The Omega-Man beginnt mit dem Ausbruch eines bakteriologischen Krieges zwischen Russland und China, der schließlich fast die ganze Erdbevölkerung dahinrafft.

Geschlossene Gesellschaften waren eine weitere Plage der SF-Filme dieser Zeit. Der Film Soylent Green führt ins New York des Jahres 2022. Dort kämpfen 40 Millionen Menschen um ihre bloße Existenz. Die Soylent Green-Company versorgt die Bevölkerung mit dem gleichnamigen, angeblich synthetischen, Lebensmittel, weil sich "nur noch die Superreichen (...) echte Nahrungsmittel leisten (können)". (Das Heyne-Lexikon des Science Fiction-Films. München 1993. S.420). "In der Schlussszene liegt" der Held der Geschichte "schwer verwundet auf einer Bahre und schreit die schreckliche Wahrheit heraus: "Soylent Green ist Menschenfleisch!"" (Der Science Fiction Film. München 1983. S.202). George Lucas’ erster Kinofilm war ebenfalls eine Geschichte, die in einer geschlossenen Gesellschaft spielt. "THX 1138 (...) lebt in einer unterirdischen, von Computern regierten Welt, in der die Menschen vermittels Drogen daran gehindert werden, ihre Bedürfnisse zu entwickeln." (Kino des Utopischen. Reinbeck bei Hamburg 1980. S.242). THX 1138 versucht mit Leidensgenossen aus der Giant-City zu flüchten; ähnlich, wie das auch die Helden in Logan’s Run versuchen, denn in der hiesigen Gesellschaft wird jeder getötet, sobald er 30 Jahre alt wird.

Ende der 70er Jahre starteten schließlich mehrere aufwendige Kinoserien, die wegen ihrer Zeitlosigkeit bis heute fortgesetzt werden. 1977 begann mit Krieg der Sterne der Triumphzug einer Sternensaga, die es inzwischen auf vier Filme gebracht hat. Zwei Jahre später begann mit Star Trek - Der Film eine weitere SF-Filmserie, die bis heute produziert wird. Dasselbe gilt für den SF-Horrorstreifen Alien, dessen Monster ganz in der Tradition der Ungeheuer aus den 50er Jahren 1979, 1986, 1992 und 1997 abwechselnd Wissenschaftler, Marines oder Sträflinge frühstückte. Von Eric Z.

Literaturhinweise zu

Gefahren für die Menschheit - Ein Blick in die Science Fiction-Geschichte (Teil 3)

Hahn, Roland M. / Jansen, Volker unter Mitarbeit von Wolf Jahnke:
"Das Heyne-Lexikon des Science Fiction Films. 1500 Filme von 1902 bis heute"
München 1993

Hellmann, Christian:
"Der Science Fiction Film"
München 1983

Mehlem, Axel:
Der Science-fiction-Film: Ursprünge, Geschichte, Technik"
in
"Aufsätze zu Film und Fernsehen; Band 24"
Alfeld/Leine 1996

Seeßlen, Georg:
"Kino des Utopischen: Programm Roloff und Seeßlen. Geschichte und Mythologie des Science Fiction-Films"
in
"Grundlagen des populären Films 4"
Reinbeck bei Hamburg 1980

Bericht von: Eric Z.
Patin: Alexandra M.

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